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Aus einer Presseaussendung der apa:
Kulturpolitik/Wahlen/Vorarlberg
Peter Marboe bedauert Re-Ideologisierung der Kulturpolitik
Utl.:
Steuerliche Veränderungen für Kunst-Sponsoring notwendig
Bregenz (APA) - Am Beispiel der Wiener Kulturpolitik ortet Stadtrat
Peter Marboe (V) unter seinem Nachfolger Andreas Mailath-Pokorny (S) als
amtsführenden Stadtrat eine bedauerliche Re-Ideologisierung in Richtung
neuerlicher Vereinnahmung der Kultur für die tagespolitische Gesellschaftspolitik.
ÖVP-Kunst-Staatssekretär Franz Morak habe hingegen trotz Sparbudget
und einem kulturpolitisch reaktionären Koalitionspartner FPÖ
nachweislich kulturpolitische Erfolge erzielt. Das sagte Marboe am gestrigen
Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung des Österreichischen
Cartellverbandes (ÖCV) vor dem "Altherrenlandesbund Vorarlberg"
in Rankweil.
Er sei während seiner Amtszeit zwischen 1996 und 2001 für
eine offene, urbane und unvoreingenommene "bürgerliche"
Kulturpolitik gestanden, habe Abhängigkeiten verringert und den Einfluss
der Parteipolitik von einem aus SPÖ-Zeiten übernommenen Maximum
von "so viel wie möglich" auf "so viel wie nötig"
reduziert und gegen große Widerstände die Parteipolitik aus
Kunstgremien eliminiert. Marboe wandte sich gleichermaßen gegen
vor allem in der SPÖ vorhandene Tendenzen der politischen "Vereinnahmung"
von Kultur wie gegen die in der FPÖ verbreitete restriktive Auffassung
von Kultur als Heile-Welt-Bühne. "Kunst darf, muss aber nicht
provozieren, wehtun oder schön sein", sagte Marboe vor Vorarlberger
Akademikern. Unter den Gästen waren u.a. Kultur-Landesrat Hans-Peter
Bischof (V) oder der grüne Kultursprecher Ekkehard Muther.
Österreich sei nach wie vor eine kulturelle Großmacht, "weil
es die Kultur ist, die uns groß macht". Unumgänglich sei
daher eine offene Kulturpolitik ohne Scheuklappen oder reaktionäre
Tendenzen. Marboe setzte sich auch für eine intensivere Zusammenarbeit
- "ohne Vereinnahmung" - von Kultur und Wirtschaft ein. In dem
Zusammenhang sei endlich eine steuerliche Veränderung zu Gunsten
von mehr Kultur- und Kunst-Sponsoring notwendig. Mit Finanzminister Karl-Heinz
Grasser (F) habe er darüber gesprochen, als Hindernis habe ihm der
Ressortchef Budgetprobleme und die "Gefahr" der Ausdehnung auf
alle Non-Profit-Bereiche genannt.
In seinem Referat fokussierte Marboe die Anforderungen für eine
offene bürgerliche Kulturpolitik. Dazu gehöre u.a. der Abbau
von Vorurteilen in der Gesellschaft oder die Neudefinition der Begriffe
Heimat und Patriotismus vor dem Hintergrund eines geeinten Europa. Marboe
plädierte nachdrücklich für die Verringerung der Abhängigkeit
von Kunstschaffenden von (Partei)-Politik und betonte, Kulturpolitik solle
nur Rahmenbedingungen schaffen: "Man kann nicht mit Kunst und Kultur
Gesellschaftspolitik machen", sagte Marboe in Richtung SPÖ.
(Schluss) ka/leh
APA0107 2002-11-19/10:09
191009 Nov 02
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