Bildungsexperten und "Bildungsexperten"Auszug aus einem Artikel des CLUniers 4/2011. (Dieser CLUnier erscheint kurz vor Weihnachten 2011). |
"Ich bin ich"![]() Wie wird man ein „Bildungsexperte“? Ein kleines Buch „Ich bin ich“ von Judith Jannberg (Fischer Taschenbuch Verlag) gibt darüber Aufschluss. Es folgen Auszüge: „Wie lieb er mit den Kleinen ist! Es hat doch etwas genützt, mit ihm zu reden. Er will sich ändern. Wer weiß, vielleicht werden wir doch noch eine richtige Familie. Nach dem Mittagessen hat er ihnen bei den Schulaufgaben geholfen und sich nach ihren Klassenkameraden erkundigt. Wer kommt auf das Gymnasium? … Die Kinder haben noch tagelang von diesem Nachmittag geschwärmt und noch begeisterter als die Kinder war ich. Ich war in Euphorie: Aus unserer Ehe lässt sich noch etwas machen. Eine Woche später hörte ich, dass mein Mann auf irgendeiner Veranstaltung mit einem hervorragenden Vortrag geglänzt habe, mit einem Vortrag über die Schule aus der Sicht des Kindes. Immer wurde nur herumtheoretisiert, dies sei mal ein wirklich praxisnaher Vortrag gewesen. Und wie lebendig Professor … berichtet habe. Man habe deutlich gespürt, dass endlich einmal ein echter Vater zu Wort gekommen sei. „Meine Tochter … hat gesagt, meine Tochter … findet, von meinen Kindern weiß ich … Voll Bitterkeit habe ich in mein Tagebuch geschrieben, dass mein Intelligenzquotient wohl doch extrem niedrig sein müsse. Obwohl du ihn seit über sechzehn Jahren kennst, hast du nicht durchschaut, dass er die Kinder nur benutzt hat – als Mittel zu seinen Karrierezwecken.“ An anderer Stelle wird es im Buch deftig: „“Ich hatte bereits mehrere anonyme Hinweise auf meines Mannes wilde Ausschweifungen bekommen. Etwa sechs Wochen nachdem ich mich klar und entschieden geweigert hatte, mit ihm zu ‚vögeln‘, rief mich ein Mann an, der mich bat, meinen ‚Ehepartner‘ von seinem ‚parteischädigenden‘ Verhalten abzubringen: Seine Zügellosigkeit muss Ärgernis erregen. Zurzeit treibt er es mit … Warum fahren Sie nicht hin, um Ihren Mann in flagranti zu erwischen? Die Partei erwartet von Ihnen, dass Sie Ihren Mann zur Räson bringen. Sie wissen doch, dass den Journalisten heutzutage nichts verborgen bleibt.“ Es kommt noch viel dicker: „Vom Auto aus hat sie beobachtet, wie mein Mann mich geohrfeigt und meinen Kopf gegen eine Haustürkante geschlagen hat. … Sie sei wie gelähmt gewesen vor Entsetzen. Sie habe immer geglaubt, dass so etwas in besseren Kreisen nicht vorkomme. Mein Mann hat mich in den Fahrstuhl gestoßen, mich an den Haaren in die Wohnung gezerrt und eine Orgie von Belehrungen und Beschimpfungen über mich niederprasseln lassen. Es sei eben nicht zu verheimlichen, dass ich aus der Gosse stamme. … Nachdem ich schluchzend zu einem Häuflein Elend verstummt war, hat er mit seinen Beschimpfungen nachgelassen …“ Das erwähnte Buch ist ein einziger Horror. Es mag vielleicht sein, dass die eine oder andere Begebenheit aus der Sicht des weiblichen Opfers übertrieben dargestellt wurde, es gibt aber keinen Zweifel, dass hier eine zutiefst gedemütigte und sowohl körperlich als auch seelisch misshandelte Frau ihr Leiden zu Papier brachte und ihre lange und schmerzvolle Reise in die persönliche Freiheit beschrieb. Literarisches Beiwerk, wie der Bericht, dass der Mann sie mit mindestens siebzehn Frauen, meist Frauen hoher ÖVP-Parteifunktionäre, jahrelang betrogen habe, dürfen als Referenz an den erotischen Zeitgeist gewertet werden. Von wem ist hier die Rede? Judith Jannberg ist ein Pseudonym. Die Dame heißt in Wahrheit Gerlinde Schilcher und ist die geschiedene Frau des bekannten steirischen ÖVP-Politikers und Universitätsprofessors Dr. Bernd Schilcher, der als „Bildungsexperte“ durch Österreich tingelt und - sogar auf Einladung der Kirche in Vorarlberg - die Menschen darüber aufklärt, wie Bildung idealerweise zu vermitteln ist. Es werden dabei ein paar Kleinigkeiten übersehen. Erstens: Bernd Schilcher ist als ehemaliger amtsführender Präsident des steirischen Landesschulrats ein Verwaltungsexperte, deswegen aber noch lange kein Bildungsexperte. Wie er zu seinem Expertentum kam, wird im Buch seiner gedemütigten Frau (siehe oben) hinreichend beschrieben. Er erkundigt sich bei seinen Töchtern und fügt eloquent Geschichtchen an Geschichtchen, aber mit seriöser Wissenschaft hat das gar nichts zu tun. Zweitens: Ein ehelich jämmerliches und testosterongetränktes Leben mag, wie es so schön heißt, Privatsache sein, aber ein Bildungsexperte muss sehr viel mehr sein als ein Verwaltungsmensch, der seine Frau betrügt und gleichzeitig seelisch und körperlich misshandelt. Ein Bildungsexperte sollte wenigstens halbwegs eine moralische Instanz sein. Das hätte auch die katholische Kirche bedenken sollen, als sie Dr. Bernd Schilcher als „Bildungsexperten“ nach Vorarlberg holte. Am 3. Oktober stieg im Kolpinghaus Dornbirn eine Diskussion, auf der eine Serie von Banalitäten auf die Zuhörerschaft niederprasselte. Die erlauchte Runde lauschte Sätzen wie "… unser Schulsystem ist veraltet und schneidet im internationalen Vergleich schlecht ab. Ein Gesamtkonzept für breit angelegte Reformen ist nicht in Sicht. Schadensbegrenzung und Stückwerk sind die Zutaten, die unser Bildungssystem zur Dauerbaustelle werden lassen." Das Elend der „Bildungsexperten“ wird hier – leider nur für echte Bildungsexperten - sichtbar. Zu viele Manager, Verwaltungsbeamte, Politiker, und der Gipfel der Mikrobildung - Journalisten - tummeln sich auf dem halblustigen Kirtag der Bildungsreformen. Auf keinem Gebiet ist es in Österreich zurzeit leichter, Halbinformiertheit, Viertelbildung, zusammengeklitterte Geschichtchen und pseudowissenschaftlichen Schwachsinn als „Bildungsexpertentum“ zu verkaufen. Die Bevölkerung hört andächtig zu und wird zusehends verwirrter. Wer ist denn nun ein Bildungsexperte? Leute, die sich höherer Bildung angeeignet haben (Maturanten und Akademiker) oder Leute, die Bildung vermitteln? Doch eher Letztere sollte man meinen. Das wären die Lehrer. Erstaunlicherweise scheinen diese wahren Bildungsexperten bei den „Bildungsexperten“ eher wenig zu gelten, denn die „Bildungsexperten“ sind Leute, die entweder nie in den Niederungen eines Klassenraumes gearbeitet haben, oder nach wenigen Jahren Unterrichtstätigkeit die Klassenräume fluchtartig verlassen haben, um den in den Klassenräumen verbliebenen Praktikern nun aus Manager- oder Ministeriumssphären zu erklären, wie man Bildung vermittelt. Es sind gewissermaßen Leute, die zölibatär leben, um als „Erotikexperten“ allen anderen mitzuteilen, wo man die tollsten Weiber trifft und wie man sie rumkriegt. |